Pressemeldungen

ORF Chronik OÖ

Zu wenig Logopäden an Schulen

An Schulen würde es nicht genügend Logopäden geben –
dabei sei der Bedarf steigend. Individuelle Beratung sei
wichtig, aber momentan schwierig, da die Wartelisten für
logopädische Betreuung oft lang sind.

Zwei bis drei Logopädinnen gibt es im Durchschnitt pro Bezirk. Das
sei zu wenig, um den Bedarf an logopädischer Behandlung zu
decken, kritisiert Logopädin Gerlinde Rohrhofer.

Individuelle Beratung wichtig
Diese seien vor allem wichtig, um sowohl die Kinder als auch die
Eltern und Lehrer zu beraten, sagt Rohrhofer. Individuelle Beratung
wäre nötig, denn was für ein Kind funktioniert, muss nicht für alle
funktionieren. Diese könne nur durch einen Ausbau der
logopädischen Betreuung an Schulen gewährleistet werden, so
Rohrhofer weiter.

Lange Wartezeiten für Logopäden
Der Landesschulrat argumentiert, dass sich die Eltern bei Bedarf
auch an freiberufliche Logopädinnen wenden können. Für diese gibt
es aber lange Wartezeiten. Zudem sind die Termine oftmals schwierig
mit der Berufstätigkeit der Eltern vereinbar. Wenn es also keine
Logopädin an der Schule gibt, bestehe die Gefahr, dass sprachliche
Defizite erst in der dritten oder vierten Klasse Volksschule erkannt
werden. Das sei eindeutig zu spät, so Rohrhofer.

Publiziert am 31.10.2016

OÖ-Nachrichten 29. Oktober 2016

Logopäden fehlen

OBERÖSTERREICH. Verband kritisiert mangelnden Dienst an Schulen.

Viele Kinder haben sprachliche Defizite, die sich spätestens in der Schule als großes Handicap beim Lesen, Schreiben und Rechnen herausstellen können. Für Sprachauffälligkeiten werden einerseits Sprachförderungen von Lehrern angeboten sowie eine logopädische Betreuung.

Die Logopädin, wie sie viele noch aus ihrer Schulzeit kennen, untersucht die Kinder und bietet bei Bedarf eine Betreuung einzelner Schüler und Klassen an. Dieses System gerät aber immer mehr ins Wanken, wie der Verband der LogopädInnen für Oberösterreich mahnt. „Derzeit werden keine neuen Logopädinnen mehr aufgenommen, in Bezirken wie Braunau, Gmunden, Kirchdorf, Linz-Land, Ried, Schärding, Steyr und Wels gibt es keine Logopädin mehr, die an die Schule kommt und Therapien anbietet“, klagt Gerlinde Rohrhofer, die selbst im Schuldienst tätig war. Insgesamt sind im Bundesland derzeit 16 Logopäden, der Großteil ist teilzeitbeschäftigt. Im Vergleich dazu sind es im vorschulischen Bereich, etwa im Kindergarten, 64 Sprachtherapeuten. „Gibt es keine Logopäden an der Schule, besteht die Gefahr, dass Defizite erst in der 3. oder 4. Volksschulklasse erkannt werden“, mahnt Martina Bernegger vom Verband der Logopäden für OÖ. Sie fordert daher Unterstützung von Landesschulrat Fritz Enzenhofer. (diva)

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/Logopaeden-fehlen;art4,2387227

Volksblatt 29. Oktober 2016

Zu wenige Logopädinnen an den oö. Schulen

Berufsverband fordert mehr ausgebildete Kräfte im Schulsystem.

LINZ – 13 Prozent der Volksschüler können nicht laut lesen und 70 Prozent weisen erhebliche Schwächen in der Rechtschreibung auf. Schuld daran kann sein, dass diesen Kindern die Grundkompetenzen für den Erwerb des Lesens und Schreibens fehlen. „Sie erkennen zum Beispiel die Bedeutung der Buchstaben nicht, können Laute nicht zusammenziehen oder Wörter analysieren“, erläutert Gerlinde Rohrhofer, ehemals Logopädin im Schuldienst. Sie bräuchten in erster Linie eine logopädische Betreuung. Im Schuldienst gibt es für ganz OÖ nur noch 16 Logopädinnen. Ihre Kernaufgaben sind Diagnostik, Prävention und Betreuung bei Kindern, die aufgrund ihrer sprachlichen Defizite das Lesen, Schreiben und Rechnen mit herkömmlichen Methoden nicht erlernen können. Martina Bernegger vom Verband der Logopädinnen für OÖ fordert hingegen mehr Logopädinnen in der Schule, um das Problem der Betroffenen gleich an der Wurzel zu packen. „Die Schule ist kein Therapieort, Logopädinnen an der Schule könnten nur herausfiltern, ob ein Kind ein Problem hat“, verweist der Landesschulrat auf die Verantwortung der Eltern, dieses mit freiberuflichen Logopädinnen zu lösen.

Spezifische Förderung statt Gießkannen-Prinzip.

„Zu lange Wartezeiten, Abendtermine aufgrund der Berufstätigkeit der Eltern und keine Möglichkeit, sich mit der Lehrkraft auszutauschen“, führt der Verband der Logopädinnen als Hindernisse ins Treffen. Dadurch bestehe die Gefahr, dass Defizite erst in der dritten oder vierten Klasse Volksschule erkannt werden. Den Logopädinnen gehe es nicht um eine Therapie, sondern darum, die Kinder sprachlich auf den Erwerb des Lesens und Schreibens vorzubereiten. Dabei sollte es um eine spezifische Förderung und nicht um eine nach dem Grießkannen-Prinzip gehen, so Rohrhofer. Besser sei die Situation im vorschulischen Bereich, in dem es 64 angestellte Logopädinnen bei Institutionen und den Magistraten in Linz, Wels und Steyr gebe. 2015 hatte allein die Volkshilfe 10.547 Kinder im Alter von vier bis fünf Jahren gescreent, bei 4935 wurde ein Therapiebedarf festgestellt, nur rund die Hälfte wird betreut. 2504 werden vermutlich in der Schule noch eine Versorgung benötigen.)