Sebnem Kreutzmann
„In zwei Sprachen zuhause“ –
Mehrsprachige Kinder in der sprachtherapeutischen Praxis
Menschen mit Migrationshintergrund sind schon
längst ein selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft. Für Sprachtherapeuten
stellen sie oft eine besondere Herausforderung dar: Für eine gesicherte Diagnose
bei Sprachentwicklungsstörungen ist eine Einschätzung des
Sprachentwicklungsstandes auch der Erstsprache unumgänglich. Da die
Sprachtherapeuten i.d.R. monolingual sind und es kaum mehrsprachige
Sprachtherapeuten gibt, ist eine solche Einschätzung nicht ohne weiteres
möglich. Umso wichtiger ist es, dass sich Sprachtherapeuten Grundlagenwissen zu
der jeweiligen Erstsprache des Kindes aneignen, um sich auf diesem Wege
möglicher „Stolpersteine“ beim Erlernen des Deutschen als Zweitsprache bewusst
zu werden und Interferenzen identifizieren zu können.
Auch die Überprüfung des Sprachentwicklungsstandes in der Zweitsprache Deutsch
ist nicht einfach: Es handelt sich bei den mehrsprachigen Kindern um eine extrem
heterogene Gruppe, selbst wenn sie aus ein und demselben Sprach- und Kulturraum
kommen. Zudem sind viele Phänomene des Deutschen als Zweitsprache im Kindesalter
weitestgehend unerforscht, und es stehen keine standardisierten diagnostischen
Verfahren zur Verfügung. Mit einer qualitativen Diagnostik, die, neben einer
umfassenden Anamnese und der Überprüfung des Sprachstandes auf der
semantisch-lexikalischen sowie morphologisch-syntaktischen Ebene, u.a. auch die
Überprüfung kommunikativ-pragmatischer, auditiver und narrativer Fähigkeiten
umfasst, ist trotz der schwierigen Ausgangsbedingungen ein aussagekräftiges
diagnostisches Vorgehen möglich.
Darüber hinaus werden in dem Vortrag Empfehlungen für das elterliche
Sprachverhalten diskutiert und aufgezeigt, wie ein wertschätzender Umgang mit
anderen Sprachen auch für monolinguale Sprachtherapeuten im Rahmen der
Sprachtherapie möglich ist.
Referentin:
Sebnem Kreutzmann
Isartorplatz 3
80331 München
Mail: sewas@gmx.net
089 – 13 947 800
Sebnem Kreutzmann ist bilingual Türkisch-Deutsch aufgewachsen und hat von 1996
bis 2001 an der LMU München Sprachheilpädagogik studiert. Sie ist derzeit als
Sprachtherapeutin (Teilzeit) in München tätig und dabei auf die Diagnostik und
Therapie mehrsprachiger Kinder mit Migrationshintergrund sowie die Beratung
ihrer Angehörigen spezialisiert. Seit 2006 leitet sie Seminare zum Thema
Mehrsprachigkeit und Kultursensitivität für Studenten, Sprachtherapeuten und
andere Berufsgruppen. 2007 hat sie ein Promotionsstudium, betreut durch Prof.
Dr. Manfred Grohnfeldt, begonnen, und ist seit 2008 als Lehrbeauftragte an der
LMU München tätig.
Publikationen:
- Kreutzmann, S. (2008): Individuelle und institutionelle Aufgaben auf dem Weg
zu einer „Kultursensitiven Sprachtherapie“.
In: Forum Logopädie 3 (22), 6-9
- Kreutzmann, S. (2009): „Sprachtherapie für alle?“ - Wissen als Hindernis und
Chance in der sprachtherapeutischen
Versorgung von Migranten. In: L.O.G.O.S. Interdisziplinär 01/09
(Veröffentlichung erfolgt im März 2009)
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